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Verteilerreise nach Bulgarien 17.-20.12.2007

Drei Vertreter aus Österreich (Gabi Harringer, Klaus Drack und Gerti Holzer) werden am Flughafen in Sofia von unserer nationalen Partnerin Gabi erwartet. Es ist früher Vormittag und wir haben die Nacht vorher kaum geschlafen, dennoch können wir die erste Verteilung kaum erwarten. Gemeinsam fahren wir mit einem gemieteten Auto in ein Zigeunerviertel am Rande von Sofia. Eine Freiwillige aus einer evangelikalen Gemeinde kocht für ca. 40 Kinder. Diese werden zu Hause nicht versorgt und kommen mit ihrem eigenen Suppenteller, um sich für ein warmes Essen anzustellen. Sie sind überall schmutzig und wir hätten sie am liebsten zuerst gewaschen. Gabi erzählt uns, dass sie kein fließendes und schon gar kein warmes Wasser kennen. Zum Teil kommen sie ohne Jacke, in viel zu großen Schuhen, ein Mädchen bei Minusgraden sogar barfuss in Badeschlapfen. Sie wissen nicht, dass sie heute eine Überraschung erwartet. Eine Sonntagsschullehrerin singt ein paar Lieder mit ihnen, danach erzählen wir, warum wir Weihnachten feiern und überbringen Grüße der Päckchenpacker aus Österreich und Südtirol. Nun folgt endlich die Bescherung! Die Aufregung ist groß und viele Kinderaugen leuchten uns beim Öffnen der Päckchen entgegen.



Unser nächster Besuch führt uns nach Sevlievo zu einer türkischen Familie. Die Mutter ist erst 21 Jahre und hat bereits drei Kinder, das älteste davon ist sechs Jahre alt. Die Kinder sind schüchtern und verstehen die bulgarische Sprache nicht. Erst als sie die Geschenke erhalten, tauen sie etwas auf. Alles wird ausgepackt, der Mama gezeigt und natürlich stecken sie die Süßigkeiten gleich in den Mund.


Nun besuchen wir eine andere Familie, auch da ist die Mutter erst 24 Jahre alt und hat fünf Kinder zu versorgen. Das älteste Mädchen ist neun Jahre alt und bei der Bescherung nicht dabei, da sie in der Schule ist. Für sie lassen wir ein Päckchen zurück. Die anderen Kinder sind lebhaft und gesprächig. Sie sehen die Schuhkartons und können es kaum erwarten, sie aufzumachen. Die Freude über ihre Geschenke ist überwältigend. Eine Tochter packt eine Babypuppe aus und ist ganz glücklich. Da entdeckt sie auch noch ein Fläschen und muss ihr Baby natürlich gleich füttern. Das Verabschieden fällt schwer, aber die nächste Familie wartet bereits auf uns. Diese erzählt uns von ihren moslemischen Weihnachtsbräuchen und bietet uns sogar Kekse an. Wir sind aber selber mindestens ebenso aufgeregt, wie die Kinder, die auf ihre Geschenke warten, so dass wir ganz vergessen, uns auch zu bedienen. Die Freude ist riesengroß. Die beiden Söhne probieren Haube und Handschuhe gleich aus und der Tochter passt eine schöne Jeans mit dazupassendem Pulli ganz genau. Sie freut sich sehr, sucht aber vergeblich nach Süßigkeiten, da greift der große Bruder ein und schenkt ihr ein Stück seiner Schokolade.



Am Nachmittag stehen Besuche von verschiedenen Kinderstunden auf dem Programm. Klaus und Gabi fahren mit Ulrike Müller, die die Kinderevangelisation im nördlichen Bulgarien leitet (sie betreut derzeit 90 Kinderstunden) nach Besovets. In einem Gemeindehaus einfachster Art warten bereits 32 fröhliche Zigeunerkinder. Sie singen kräftig die von Ulrike angestimmten Lieder und hören aufmerksam der biblischen Geschichte zu. Gabi und Klaus berichten von Österreich und Ulrike übersetzt. Unerwarteten Applaus gibt es für die fünf Kinder von Klaus. Am Schluss erfolgt die sehr gesittete Übergabe der Schuhkartons – dankbare Kinderaugen sind uns noch gut in Erinnerung.


Ähnlich läuft es auch in Baniska ab, wo in einem Wohnzimmer 16 türkische Kinder warten. Diese Gruppe kommt erst seit kurzer Zeit zusammen. Die Kinder haben noch Mühe beim Mitsingen, versuchen aber ihr Bestes. Am Schluss kommen nochmals mehrere Kinder herein. Die werden aber bei der folgenden Bescherung ausgelassen. Für sie hält Ulrike noch eine etwas verkürzte zusätzliche Kinderstunde. Dann erhalten auch sie ihre Päckchen, ein Malbuch und die Weihnachtsgeschichte in bulgarisch und gehen dankbar nach Hause.


In der Zwischenzeit fahre ich mit unserer nationalen Partnerin Gabi und einer weiteren Mitarbeiterin zu zwei anderen Kinderstunden. Hier darf ich selber eine kurze Geschichte erzählen. In der fröhlichen Runde fühle ich mich sehr wohl. Die Lieder sind mir bekannt, obwohl ich den Text nicht verstehe und auch die bulgarischen Kinder haben an denselben Spielen Gefallen wie unsere. Es gibt ein Rätsel, bei dem Fragen zur Geschichte beantwortet werden, ein Memoryspiel und danach sollen pantomimisch dargestellte Begriffe, erraten werden. Dabei wird ganz viel gelacht und ihre Freude ist ansteckend. Die Bescherung ist dann etwas ganz Besonderes für sie. Sie bekommen sonst keine Geschenke zu Weihnachten. Die großen Mädchen freuen sich ebenso über Stofftiere und Spiele wie die kleinen. Triumphierend halten sie ihre Schätze hoch und sagen im Chor: "Thank you very much." Ein kleineres Mädchen zeigt mir nochmals den gesamten Inhalt ihres Päckchens. Eine schöne Kette hat sie bereits umgehängt. Ich sage ihr, wie gut sie mir gefällt, worauf sie höflich meint: "Du hast auch eine sehr schöne Kette." Danach bedankt sie sich noch für die Großzügigkeit derjenigen, die die Päckchen machten. Ich bin tief berührt und kann meine Tränen kaum zurückhalten.


In der nächsten Kinderstunde sitzen die Kinder dichtgedrängt am Boden. Ich schaue in die Runde und sehe wieder barfüßige Kinder und solche, die verschieden färbige Socken tragen. Beim Singen und Spielen sind alle ganz eifrig dabei, aber dann werden sie unruhig, die Vorfreude auf die Geschenke ist zu groß. Ein großer Bub hilft mir, die verklebten Schuhkartons aufzuschneiden, erst dann öffnet er seinen eigenen. Der erfreute Ausruf „Oh, ein Uno-Spiel!“ klingt mir heute noch im Ohr.



An unserem letzten Verteiltag fängt unsere Reise bereits um 7.00 Uhr an, denn wir haben viele Kilometer vor uns. Die erste Station führt uns in ein Waisenhaus in Ruse für ganz kleine Kinder. Diese sind sehr schüchtern und wissen nicht so recht, was mit ihnen passiert. Aber auch da ist die Freude über die Geschenke groß, vor allem die Süßigkeiten werden gleich ausgepackt und in den Mund gesteckt.

 

Die nächste Station ist wieder ein Waisenhaus, diesmal für 120 größere Kinder, darunter nur acht Mädchen. Der Direktor erzählt uns, dass die Bedingungen sehr schlecht sind, denn es mangelt an Personal. Die Erzieher sind rund um die Uhr beschäftigt und können sich nicht um alle Belange der Kinder kümmern, vor allem die persönliche Zuwendung kommt zu kurz. Früher haben sie Lehrer beschäftigt, die besser bezahlt werden und mehr Freizeit haben als Erzieher, aber das hat der Staat aus Sparmaßnahmen geändert. Als der Direktor erfährt, dass wir aus Österreich kommen, erzählt er uns, dass er im Jahr 1997 ebenfalls Besuch aus unserem Land bekam, darunter war auch der damalige Präsident Dr. Klestil, der sich aber nicht zu erkennen gab. Ein paar Monate später kamen drei LKWs mit Hilfsgütern aus Österreich. Er meint lachend, wir sollen das nächste Mal unseren Präsidenten mitnehmen, dann werden wieder Hilfsgüter folgen. Schließlich erwähnt er noch, wie wichtig die Geschenke für die Heimkinder sind, denn sie zeigen ihnen, dass sie wichtig sind, dass jemand an sie persönlich denkt um ihnen eine Freude zu machen. Das ist ganz anders, als wenn er 100 Paar Socken bekommt und jedem Kind ein Paar davon gibt. Und genau diese Freude erleben wir selber mit, als die Schuhkartons, die diesmal aus Regau kommen, geöffnet werden.



Die nächste Verteilung führt uns ins Krankenhaus. Wir besuchen frisch operierte Kinder. Die kleinen Kinder sind schüchtern und haben zum Teil noch Schmerzen, freuen sich aber dennoch sehr über unsere Geschenke. Diesmal ist die Verteilung etwas anders. Kinder aus zwei freien evangelikalen Kirchen singen ein paar Lieder, sagen ein Gedicht auf und übergeben die Schuhkartons, indem sie noch ein schönes Weihnachtsfest wünschen. Sehr gefreut haben sich vor allem zwei Kinder, deren geheime Wünsche durch die Geschenke erfüllt wurden. Die Mutter eines kranken Buben erzählt uns, dass sich der Kleine einen Pinguin wünscht und genau der war unter vielen anderen Dingen in seinem Schuhkarton aus Reutte. Ein Mädchen berichtet, dass sie sich schon lange eine Kinderbibel wünscht. Nun bekommt sie gerade diese als Geschenk von den Kindern überreicht. Ein größeres Mädchen erzählt uns, dass sie nur eine Woche im Krankenhaus bleiben muss und mit so einer schönen Überraschung nicht gerechnet hat. Auch Ärzte und Krankenschwestern freuen sich sehr über unseren Besuch und sind dankbar, dass wir kranken Kindern große Freude bereiten.



Unsere letzte Verteilung führt uns in ein Heim für straffällige Buben. Das ist für uns sehr bewegend. Wir fragen einen Buben, warum er hier ist. Er berichtet, seine Mutter habe sich über Monate nicht mehr um ihn gekümmert und weil er hungrig war, hat er gestohlen. Es tut ihm leid, er möchte auch nicht mehr stehlen, aber er weiß nicht, wie er sich versorgen soll, bevor er alt genug für eine Arbeit ist. Der Direktor des Heims verspricht, sich um eine Arbeitsstelle für ihn zu kümmern, aber er kann ihm nicht die Eltern ersetzen. Die Buben dürfen am Wochenende und in den Ferien nach Hause fahren, aber nicht alle haben ein Zuhause. So sagt einer der Buben, er werde seinen Freund mitnehmen, damit er Weihnachten bei ihm verbringen kann. "Ob sie sich wohl auch über unsere Geschenke freuen werden?", sind unsere geheimen Gedanken, vor allem auch deshalb, weil wir nicht mehr so viele Schuhkartons für ältere Buben haben. Wir staunen aber, wie sehr sie sich freuen und Kleidungsstücke, die ihnen nicht passen, an die Kleineren weitergeben. Viele wollen, dass wir sie fotografieren und ihnen dann das Foto schicken.

 

Einige Szenen aus unserem Bericht wurden im Film festgehalten, die Sie hier online ansehen sowie gerne hier als Video/DVD bestellen können.

 

Herzliche Grüße

Gerti Holzer und Mitarbeiter

 

Sie können sich den Projektrückblick mit dem Bericht über

die Verteilerreise nach Bulgarien auch hier herunterladen*:

 

Download Projektrückblick 2007 als pdf-Datei

 


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(DZI, 27. Oktober 2008)