| Geschenke der Hoffnung e.V. Haynauer Straße 72a D-12249 Berlin Telefon: 030 - 76 883 300 Telefax: 030 - 76 883 333 web: www.geschenke-der-hoffnung.org |
|
Geschichtsträchtige Geschenk-Verteilung im Kosovo Schuhkartons gehen über die Weihnachtsfreude hinaus
Wenn Kosovo-Albaner und Deutsche ohne Begleitschutz durch Soldaten Schuhkartons in einem serbischen Dorf verteilen, geht die Begegnung weit über das Schenken der Weihnachtsfreude hinaus. Denn der Graben zwischen Kosovo-Albanern und Serben ist tief. Sehr tief.
Lange ist es noch nicht her, dass der ethnische Konflikt, dessen Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen, eskalierte: Nach dem Zerfall Jugoslawiens Ende der 80er Jahre war es nur eine Frage der Zeit, bis die kulturell so unterschiedlichen Volksgruppen aneinandergeraten würden – die Serben sind christlich-orthodox, die Kosovo-Albaner, Jahrhunderte lang unter türkischer Herrschaft, stark islamisch geprägt. Beide Seiten meldeten Gebietsansprüche auf den Kosovo an, 1999 schließlich brach der Krieg aus. Er riss tiefe Wunden – auf beiden Seiten. Frieden garantieren heute im Kosovo stationierte KFOR-Soldaten. Frieden gefunden haben die Volksgruppen jedoch noch nicht. Das zeigt sich allein schon daran, dass Kosovo-Albaner im Normalfall kein serbisches Dorf betreten würden. Schon gar nicht ohne Begleitschutz.
In dieser Situation bittet Slobodan B., Direktor einer serbischen Schule, die Christin und Kosovo-Albanerin Leonora Kurti um Schuhkartons. Sie ist eine der Hauptverantwortlichen der christlichen Gemeinde in Priština, die für Geschenke der Hoffnung Päckchen im Kosovo verteilt. „Wir alle sind konfliktmüde – und diese Geschenke öffnen Türen“, erklärt Leonora – und nimmt die Einladung gerne an. Zum ersten Mal wird eine solche Begegnung stattfinden. Ohne Soldaten und Polizisten, dafür aber mit einigen unserer Mitarbeiter.
Nach mehr als zwei Stunden Autofahrt von Priština aus in südöstliche Richtung kommen wir verspätet im verschneiten Veliko Ropotovo an. Am Dorfeingang werden wir von einem Serben erwartet: Ivan ist durch den Schuhkarton-Kontakt ein guter Freund von Leonora geworden. Er und seine Freunde eskortieren unseren Konvoi, um den Dorfbewohnern zu zeigen, dass wir willkommen sind. Ivan bringt uns zu einem Kindergarten, wo wir mit Schnaps und herzlichen Worten begrüßt werden. Die ersten der 250 Geschenk-Pakete, die wir an diesem Tag übergeben wollen, gehen an rund 15 Kleinkinder. Das Verschenken der Weihnachtsfreude geht ungewohnt schnell – wahrscheinlich weil auf dem zugefrorenen Platz vor dem Kindergarten bereits rund 30 ältere Mädchen und Jungen auf ihr Geschenk warten. Eine Mutter spricht uns auf serbisch an, wild gestikulierend. Weil wir kein Wort verstehen, verweisen wir sie an unsere Begleiter. Sie wollte Druck ausüben, die Päckchen schneller zu verteilen, erklärt uns Leonara hinterher.
Weitläufig stehen Männer um die Kinder auf dem Platz. Ob zur Abschreckung oder zum Schutz wissen wir nicht. Wir merken nur, dass Spannung in der Luft liegt. Derweil bilden die Kinder auf dem matschigen Hof diszipliniert zwei Reihen, nehmen ihren Karton entgegen, posieren noch für ein Erinnerungsfoto und rennen dann weg. Es ist zu kalt, um die Schätze im Freien zu bewundern. Die restlichen Karton lagern wir in einer leeren Schule. Die Schüler wurden wegen der Schweinegrippe früher nach Hause geschickt. Ihr Geschenk bekommen sie am nächsten Schultag.
Herzlich dankt uns der Schuldirektor vor laufender Kamera: „Kinder sind unser größter Schatz. Danke, dass Sie an uns gedacht haben. An diese Schuhkartons werden sich die Mädchen und Jungen noch erinnern, wenn sie schon erwachsen sind."
Und schon sind wir auf dem Weg zurück nach Priština. Wir bedauern kurz, dass wir die Freude der Kinder beim Öffnen nicht erleben konnten – und wissen doch, dass die so unspektakulär anmutende Verteilung etwas ganz Besonderes war, ein geradezu historischer Moment. Denn die Kartons sind weit mehr als nur geschenkte Weihnachtsfreude. Sie sind Geschenke der Hoffnung und der erste Schritt hin zur Versöhnung.
Anja Schlegel, Mitarbeiterin "Geschenke der Hoffnung"
Lesen Sie hier mehr: |
|
Fenster schließen |
|