Rumänien:
Außer sich vor Freude
Kurz vor Weihnachten fuhren wir bis an die moldawische Grenze in die Ortschaft Radautiprut. Dort besuchten wir zusammen mit dem Bürgermeister eine Schule. Eigentlich hatten die Kinder gerade eine Woche Ferien, weil der Staat die Gehälter der Lehrer nicht bezahlen kann. Zur Verteilung waren die Kleinen extra gekommen und fieberten nun voller Spannung ihren Geschenken entgegen. Mit dem Auspacken kam auch für uns der Höhepunkt: An den strahlenden Augen kann man sich nie satt sehen. Ein kleines Mädchen war so außer sich vor Freude, dass es uns einen Kuss gab. Auch die Erwachsenen waren sehr gerührt und bedankten sich immer wieder. Derweil bekam jedes Kind noch einen Sack mit Lebensmitteln – eine Spende des Bürgermeisters.
Die große Not, die in Rumänien an vielen
Orten herrscht, ist manchmal gut versteckt. Das erlebten wir auch, als wir in Schulen und Kindergärten in Dorohoi Geschenke verteilten. Überall wurden wir mit Weihnachtsliedern begrüßt. Beim Öffnen der Schuhkartons ging dann ein Raunen durch die Klassen. Wir hörten ein ausgedehntes „Woooow“ und die Jungen und Mädchen zeigten sich stolz den Inhalt ihrer Packerl. Sie waren durchweg gut gekleidet. Ihnen war kaum anzusehen, dass sie aus armen Familien kamen. Doch der Eindruck täuschte: Als wir eingeladen wurden, das Zuhause einiger Schüler zu besuchen, erschütterte uns der Anblick der Lebensumstände sehr: Meist gab es nur ein winziges Zimmer, in dem sich der Alltag abspielte. Dort mussten die Familien mit oft acht Kindern auch die Nacht verbringen. Der Putz bröckelte von den Wänden, die Fenster waren provisorisch repariert. Sanitäre Anlagen sahen wir nicht. In dieser Situation waren unser Besuch und die Schuhkartons ein echter Lichtblick.
Gerti Holzer, Projektleiterin "Weihnachten im Schuhkarton" – Österreich
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